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Software mit KI selbst bauen — wann das funktioniert und wann nicht

KI-Werkzeuge bauen heute in Stunden funktionierende Anwendungen. Die Frage ist nicht mehr, ob dabei etwas herauskommt, sondern ob das Ergebnis Kundendaten verarbeiten, Geld bewegen und drei Jahre lang laufen kann.

Veröffentlicht23.08.2026

Aktualisiert23.08.2026

RedaktionLorem Media GmbH, IT & AI

Zwei Wochen im August, die beide Seiten zeigen

Am 9. August 2026 veröffentlichte Linus Torvalds eine Kernel-Vorabversion mit über 400 Fehlerkorrekturen von mehr als 230 Beteiligten — nach Anzahl der Änderungen die größte seit Jahren. KI-Werkzeuge durchsuchen inzwischen systematisch bestehenden Code und melden Fehler. Torvalds nannte das die neue Normalität — und war erkennbar nicht begeistert: Die Fehler werden maschinell gefunden, geprüft und behoben werden müssen sie weiterhin von den wenigen Menschen, die den Code gut genug kennen.

Zwölf Tage später beschrieb derselbe Torvalds eine Debug-Session über einen Grafiktreiber-Fehler, der seinen Rechner in eine Endlosschleife schickte. 24 Testläufe, 18 Neustarts — am Ende eine einzelne Zeile. Seine Beschreibung: „enorm unterstützt durch eine KI, die einen Großteil der Fleißarbeit übernommen hat". Und dann der entscheidende Satz: Die KI hatte mehrfach erklärt, das Problem sei unlösbar. Torvalds, trocken: Er vermute, diese Systeme seien von Leuten trainiert worden, die nicht ganz so stur seien wie er.

Warum dasselbe Werkzeug so unterschiedliche Ergebnisse liefert

KI-Werkzeuge sind hervorragend darin, Vorschläge zu produzieren. Sie sind schlecht darin, zu beurteilen, ob ein Vorschlag stimmt — und sie geben auf, wenn es unangenehm wird. Wer programmieren kann, benutzt KI wie einen sehr schnellen Assistenten: Er erkennt eine falsche Antwort als falsch, weiß, welche Frage als Nächstes kommt. Wer nicht programmieren kann, bekommt vom selben Werkzeug etwas, das funktioniert — bis es das nicht mehr tut.

Wofür das trotzdem großartig ist

Wir setzen KI in der Entwicklung täglich ein. Es gibt eine ganze Reihe von Fällen, in denen Sie sich tatsächlich selbst etwas bauen sollten:

  • Prototypen. Eine Idee schnell sichtbar machen, bevor irgendjemand ein Budget dafür freigibt.
  • Interne Werkzeuge, die nur ein paar Kolleginnen und Kollegen nutzen und keine sensiblen Daten anfassen.
  • Wegwerf-Skripte. Einmal 4.000 Zeilen aus einer Exceldatei umsortieren.
  • Auswertungen und Datenaufbereitung, bei denen Sie das Ergebnis selbst auf Plausibilität prüfen können.

Wo die Grenze verläuft

Sie verläuft dort, wo etwas Kundendaten verarbeitet, Geld bewegt oder dauerhaft betrieben werden muss. Die Datenlage ist eindeutig:

UntersuchungBefund
Carnegie Mellon University61 % des KI-generierten Codes funktioniert — aber nur 10,5 % bestehen eine Sicherheitsprüfung
Georgetown CSET86 % der Codebeispiele scheiterten an Cross-Site-Scripting-Abwehr
Cloud Security AllianceKI-unterstützte Code-Änderungen legen Zugangsdaten doppelt so häufig offen (3,2 % gegenüber 1,5 %)
Escape.techIn 5.600 KI-gebauten Apps: über 2.000 Schwachstellen, mehr als 400 offen liegende Zugangsdaten

Die praktische Empfehlung

Bauen Sie selbst, was Sie selbst prüfen können. Und holen Sie sich jemanden dazu, sobald andere Menschen darauf angewiesen sind, dass es stimmt. Die Werkzeuge werden schnell besser — aber die Notwendigkeit, das Ergebnis beurteilen zu können, bleibt.

Häufige Fragen

Kann man mit KI eine komplette Software bauen, ohne programmieren zu können?+

Ja, technisch geht das — funktionierende Anwendungen entstehen in Stunden. Die Einschränkung liegt nicht beim Bauen, sondern beim Beurteilen: Untersuchungen zeigen, dass zwar rund 61 % des KI-generierten Codes funktioniert, aber nur etwa 10,5 % eine Sicherheitsprüfung bestehen. Solange die Anwendung keine sensiblen Daten verarbeitet und der Schaden bei einem Fehler begrenzt ist, ist das vertretbar.

Woran merke ich, dass ich Unterstützung brauche?+

An drei Fragen: Verarbeitet die Anwendung personenbezogene Daten? Fließt darüber Geld? Muss sie noch in zwei Jahren laufen? Ein Ja genügt.

Ist selbst gebaute Software automatisch unsicher?+

Nein. Aber sie ist typischerweise ungeprüft, und die häufigsten Lücken — offen im Code liegende Zugangsdaten, fehlende Eingabeprüfung, fehlender Schutz gegen Fremdzugriffe — sind genau die, die man ohne Vorkenntnisse nicht sucht.

Nutzt ihr selbst KI beim Entwickeln?+

Ja, täglich. Sie beschleunigt die Arbeit erheblich. Der Unterschied ist, dass wir erkennen, wenn ein Vorschlag falsch ist — und weitermachen, wenn das Werkzeug aufgeben will.

Sollte ich dann lieber warten, bis die Werkzeuge besser sind?+

Nein. Fangen Sie mit dem an, was heute sicher selbst machbar ist — Prototypen, interne Hilfsmittel, Auswertungen. Das ist die beste Vorbereitung darauf, dass die Grenze sich verschiebt.

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